„No AI“: Warum Legacy-Software länger überlebt, aber nicht gewinnt

KI wirkt heute wie Schmiermittel und Füllmasse für Legacy-Software: Sie glättet schlechte Workflows und kompensiert fehlende Funktionen, sodass Ablösungsvorhaben vertagt werden. Doch sobald aus Copilots echte Automatisierung wird, kippt das Problem: Datenqualität wird vom Ärgernis zur harten Grenze, und Verantwortlichkeit verlangt nach Entscheidungsarchitekturen, die Legacy-Systeme nicht liefern können. Wie beim „No Software“-Zyklus könnte der Durchbruch später kommen als erwartet, dann aber schnell und unumkehrbar. Offen bleibt nur, welches Schlagwort diesmal in den roten Kreis gehört: „No AI“ oder „No Apps“.

Veröffentlicht unter Artifical Intelligence, Entrepreneur Confidential, Think Different | Schreib einen Kommentar

Warum KI Legacy-Software nicht ersetzt, sondern stabilisiert

Der Kurssturz Anfang 2026 sah aus wie der Startschuss für die Ablösung von Legacy-SaaS, doch die Käufer machten das Gegenteil: Sie verlängerten ihre Verträge. KI wirkt wie WD40 und Knetmasse zugleich, sie glättet Reibung in schlechten Interfaces und füllt fehlende Features so gut, dass ein System „gut genug“ bleibt. Gleichzeitig senkt KI zwar die Kosten fürs Neuschreiben, aber nicht die Kosten des Wechsels, wegen Logik, Daten, Compliance und organisatorischer Trägheit. Für KI-Startups bedeutet das: Die Strategie „Incumbent ist schlecht“ trägt nicht mehr, Differenzierung entsteht über End-to-End-Prozesse, kuratierte Daten und von Anfang an eingebaute Governance.

Veröffentlicht unter Artifical Intelligence, Entrepreneur Confidential, PracticalEconomics | Comments Off on Warum KI Legacy-Software nicht ersetzt, sondern stabilisiert

Warum Warten bei Enterprise AI teuer ist, trotz fallender Preise

Bei Flachbildschirmen war Warten rational, weil das Produkt „fertig“ war und der Preis stetig fiel. Bei Enterprise AI ist das anders: Der entscheidende Aufwand steckt in Daten, Prozessen, Training und Governance, und der lässt sich nicht durch günstigere Tokens wegwarten. Studien zeigen kurzfristig eher moderate Produktivitätsgewinne, aber nur, wenn Unternehmen in diese „langweiligen“ Ergänzungen investieren, und der Einstieg hat eine Lernkurve mit Anlaufdip. Wer wartet, verschiebt diesen Dip nur nach hinten und gibt Wettbewerbern Zeit, den Vorsprung aufzubauen.

Veröffentlicht unter Artifical Intelligence, Entrepreneur Confidential, PracticalEconomics, Think Different | Comments Off on Warum Warten bei Enterprise AI teuer ist, trotz fallender Preise

KI-Boom wie die Eisenbahn, entscheidend ist, was den Crash überlebt

Der aktuelle KI-Infrastruktur-Boom ähnelt dem Eisenbahnrausch der 1880er Jahre: enorme Investitionen, parallele Überkapazitäten und am Ende ein Einbruch. Entscheidend ist nicht, ob die Blase platzt, sondern was danach bleibt und wer es profitabel betreibt. Anders als Schienen „verdirbt“ Compute schnell, Hardware ersetzt sich teils schneller, als sie sich amortisiert. Gewinner sind jene, die zwischen langlebiger Basis (Strom, Gebäude, Glasfaser, Workflows) und kurzlebigem Silizium unterscheiden und Investitionen nach Amortisationszeit steuern.

Veröffentlicht unter Artifical Intelligence, Internet, PracticalEconomics, Society, Think Different | Comments Off on KI-Boom wie die Eisenbahn, entscheidend ist, was den Crash überlebt

Agentic AI: Reden wir nur mit uns selber?

Ein Raum voller Gleichgesinnter fühlt sich schnell an wie ein Beweis, dass man „recht“ hat, doch genau dieses Gefühl kann schlicht Homophilie sein. Beispiele wie der Homebrew Computer Club und Long Term Capital Management zeigen: Überzeugung und Homogenität sagen nichts darüber aus, ob etwas trägt oder scheitert. Ob Vorsicht durch Erfahrung oder euphorische Gewissheit, beides kann sich von innen absolut stimmig anfühlen. Entscheidend ist nur, ob Menschen außerhalb des Raums bereit sind, dafür zu bezahlen.

Veröffentlicht unter Entrepreneur Confidential, Organizations, PracticalEconomics | Comments Off on Agentic AI: Reden wir nur mit uns selber?

Vieles verdreht sich in sein Gegenteil – gut so.

UBS kritisiert die verschärften Schweizer Kapitalregeln, obwohl genau diese Regeln nach dem Credit-Suisse-Schock 2023 verhindern sollen, dass Steuerzahler erneut einspringen müssen. Zugleich wirkt Regulierung in der AI-Ära als Schutzwall: Sie erhöht die Markteintrittshürden und stärkt damit etablierte Player gegenüber neuen Herausforderern. Der Text zeigt ein wiederkehrendes Muster: Was in einer Phase als Konsens gilt, kann sich bei geänderten Zinsen, Technologie oder Spielregeln ins Gegenteil verkehren. Wer Wetter mit Klima verwechselt, hält plötzlich das vermeintlich Sichere für das größte Risiko.

Veröffentlicht unter Entrepreneur Confidential, PracticalEconomics | Comments Off on Vieles verdreht sich in sein Gegenteil – gut so.

Bauchgefühl: Wann es trägt, und wann es dich täuscht

Zwei frühe Entscheidungen, bei local.ch die Karte ins Zentrum zu stellen und bei Squirro auf retrieval-augmentierte Modelle zu setzen, wurden erst Jahre später von außen bestätigt. Der Text macht klar, warum Pitch-Decks solche Wahrheiten nicht prüfen können, sie testen Argumente, nicht Realität. Verlässlich wird Intuition nur dort, wo die Umgebung halbwegs vorhersehbar ist und wo man über sehr viele Entscheidungen echtes Feedback bekommen hat. Außerhalb dieser Schleife fühlt sich Bauchgefühl genauso sicher an, ist aber oft kaum besser als Zufall.

Veröffentlicht unter Artifical Intelligence, Entrepreneur Confidential, Think Different | Comments Off on Bauchgefühl: Wann es trägt, und wann es dich täuscht

„Hast du kurz fünf Minuten?“ Die Arbeit, die nie im Kalender steht

Führung findet oft nicht in den Terminen statt, sondern in den spontanen „Hast du kurz fünf Minuten?“-Momenten, die den Tag prägen. Auch mit perfekter Assistenz bleiben Kalender trügerisch: Vieles passiert in kurzen Blöcken, dazwischen in Unterbrechungen und informellen Gesprächen. Diese Störungen kosten Fokus und Zeit, sind aber zugleich die Stellen, an denen Entscheidungen fallen, Risiken früh sichtbar werden und Beziehungen gerettet werden. Wenn sich dein Kalender leerer anfühlt als dein Tag, liegt die echte Arbeit genau in dieser Lücke.

Veröffentlicht unter Entrepreneur Confidential | Comments Off on „Hast du kurz fünf Minuten?“ Die Arbeit, die nie im Kalender steht

Wie wahr… Was man in der Grind-Phase wirklich tut

2012 habe ich einen Absatz von Chris Dixon über den Mythos des „Erfolgs über Nacht“ geteilt und nur „How true!“ darunter gesetzt, während ich selbst mitten in genau dieser Phase steckte. Heute weiß fast jeder, dass es Jahre dauert, doch die spannendere Frage ist, was in der Zwischenzeit passiert, wenn niemand zuschaut. Der Text nimmt die verbreitete Logik „Fake it till you make it“ in den Blick und kontrastiert sie mit dem oft unsichtbaren, langwierigen Aufbau echter Substanz. Und er erinnert daran, dass man von den meisten Geschichten nie wieder hört, weil die Realität die Fassade nicht einholt.

Veröffentlicht unter Entrepreneur Confidential, Private Affairs | Comments Off on Wie wahr… Was man in der Grind-Phase wirklich tut

Grau werden, Konzern oder nochmal neu starten?

Ein prägender Moment in einem Jurygespräch zeigt, warum erfolgreiche Gründerteams in klassischen Hierarchien oft als Risiko gelten, nicht als Gewinn. Der Text räumt mit zwei Erklärungen auf, warum Menschen wieder gründen: Weder reine Kompetenz noch der Kick erklären es zuverlässig. Stattdessen bleibt eine nüchterne Logik: Wer im Startup-Betriebssystem gelernt hat, schnell zu liefern und unbequem ehrlich zu sein, findet im Konzern selten eine echte Heimat. Und das Alter ist nicht das Problem, Daten sprechen eher für spätere Gründer.

Veröffentlicht unter Entrepreneur Confidential, PracticalEconomics | Comments Off on Grau werden, Konzern oder nochmal neu starten?